Es beginnt 1976 in einem Zürcher Windkanal. Toni Maier-Moussa, Ingenieur und Shimanos erster Schweizer Händler seit 1967, testet dort seinen Prototyp: einen aerodynamischen Carbonrahmen mit tropfenförmigen Rohren und einem Bullhorn-Lenker. Zusammen mit Ingenieuren der ETH Zürich hat er das erste aerodynamische Carbon-Fahrrad der Welt gebaut. Das Ergebnis hätte den Beginn einer Rahmenbaukarriere markieren können. Stattdessen wurde es die Geburtsstunde einer Bekleidungsmarke.
Die Entdeckung im Windkanal
Was Maier-Moussa im Windkanal herausfand, war überraschend und folgenreich zugleich. Seine Carbonrohre waren den runden Stahlrohren der damaligen Räder aerodynamisch tatsächlich überlegen. Aber die viel grössere Bremse war nicht der Rahmen — es war der Fahrer selbst. Genauer: seine Kleidung. Die Woll-Trikots und Lederhosen, die damals zum Radsport gehörten wie Tubulars und Stahlrahmen, erzeugten einen enormen Luftwiderstand.
Maier-Moussa liess auch Stoffe im Windkanal testen. Wolle schnitt katastrophal ab. Lycra, ein Material, das die Schweizer Skinationalmannschaft gerade für ihre Rennanzüge entdeckt hatte, war eine andere Geschichte. Maier-Moussa kontaktierte DuPont in den USA, die den Lycra-Patentschutz hielten, und begann, das Material für den Radsport zu adaptieren.
Im Sommer 1976 präsentierte Assos die erste Radhose aus Lycra. Der Radsport trug noch Wolle. Assos trug die Zukunft.
Vom Keller auf die Weltbühne
Die Anfänge waren bescheiden. Eine Näherin fertigte die Hosen im Keller des Hauses Maier-Moussa. Doch als sich die Qualität in den Profi-Teams herumsprach, kauften Fahrer die Hosen aus eigener Tasche — ungewöhnlich in einem Sport, in dem das Team die Ausrüstung stellt.
1978 kam der nächste Durchbruch. Am Münchner Olympia-Velodrom trat der Schweizer Bahnfahrer Daniel Gisiger bei der Weltmeisterschaft im ersten anatomischen Skinsuit an — einem einteiligen Lycra-Anzug mit langen Ärmeln und integrierten Handschlaufen, der die Haut vollständig bedeckte. Gisiger gewann nicht, aber sein Anzug beherrschte die Schlagzeilen. Er sah aus wie von einem anderen Planeten. Zwei Jahre später, bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau, trug jeder Bahnfahrer einen Skinsuit. In den meisten Fällen einen von Assos.
1981 gewann Gisiger das Grand Prix des Nations im Assos-Skinsuit. Spätestens jetzt war die Technologie im Profi-Radsport angekommen. Und Assos war nicht mehr der verrückte Schweizer mit dem Carbonrahmen, sondern der Ausrüster, den die besten Fahrer der Welt wollten.
Schweizer Ingenieurskunst, kein Marketing-Versprechen
Assos ist eine dieser Marken, bei denen das Klischee der Schweizer Präzision tatsächlich stimmt. Der Hauptsitz liegt in San Pietro di Stabio im Tessin — keine zufällige Adresse, sondern bewusst nahe an der italienischen Textiltradition und gleichzeitig fest auf Schweizer Boden. Hier sitzt die gesamte Forschung und Entwicklung. Die Produktion findet in einer eigenen Fabrik in Bulgarien sowie in Griechenland statt. Assos hat die Fertigung nie nach Fernost ausgelagert.
Über 25 Patente hat das Unternehmen in fast fünf Jahrzehnten angemeldet. Mehr als 400 olympische und Weltmeisterschaftsmedaillen wurden in Assos-Bekleidung gewonnen. Das sind keine Marketingzahlen — das ist eine technische Bilanz.
Die Produktphilosophie: Zwei Linien, klare Logik
Assos strukturiert sein Sortiment in zwei Hauptlinien, die sich seit der aktuellen S11-Generation noch klarer trennen:
Equipe ist die Rennlinie. Die Equipe RS steht an der Spitze — das, was WorldTour-Teams tragen. Die Equipe R übernimmt Technologien aus der RS, bietet sie aber in einem zugänglicheren Paket. A-Lock Engineering, ein Konstruktionsprinzip, das den Körper in Bewegung unterstützt statt einzuschränken, zieht sich durch beide Varianten.
Mille GT ist die Ausdauerlinie. Komfortorientiert, aber nicht weniger durchdacht. Die S11-Generation hat das Gewicht des Mille GT Jerseys um 25% reduziert, mit dem neuen AirCell-Textil — einem ultraleichten Rundstrick mit offenem Hexagon-Muster, der bei Hitze ähnlich gut kühlt wie die Equipe RS.
Die Sitzpolster verdienen eine eigene Erwähnung. Assos' Golden-Gate-Technologie lässt das Chamois zwischen den Beinen schweben, statt es flach anzunähen. Das reduziert Reibung bei jeder Pedalbewegung. Die RS-Variante arbeitet mit einem dreischichtigen, 9 mm starken Polster, bei dem jede Schicht eine andere Aufgabe übernimmt: Stossdämpfung, Stütze, Hautkomfort.
Assos heute: Profisport und neue Partnerschaften
2015 verkaufte die Familie Maier-Moussa die Mehrheit an eine Investorengruppe um Philip N. Duff und die New Yorker Private-Equity-Firma TZP Group. Roche Maier-Moussa, der Sohn der Gründer, blieb als Anteilseigner und Kreativdirektor im Unternehmen.
Im Profisport kleidet Assos aktuell das WorldTour-Team EF Education-EasyPost ein — eine mehrjährige Partnerschaft ab 2026, die Rapha ablöst. Zuvor war Assos von 2023 bis 2025 Ausrüster von Fabian Cancellaras Tudor Pro Cycling. Für 2026 übernahm dort Sportful.
Abseits des Rennsports hat die Zusammenarbeit mit BOSS eine Kollektion hervorgebracht, die Assos-Technologie mit BOSS-Ästhetik verbindet — 24 Teile für Männer und Frauen, die den Übergang vom Rad in den Alltag ernst nehmen.
Warum wir Assos führen
Es gibt günstigere Radbekleidung. Es gibt auch andere Marken, die gute Hosen machen. Aber Assos hat vieles davon erfunden — die Lycra-Hose, den Skinsuit, das anatomische Sitzpolster. Fast fünfzig Jahre Entwicklung stecken in jedem Teil. Und das spürt man, ab dem ersten Kilometer.
Bei Kilometro führen wir Assos, weil wir Marken bevorzugen, die ihre Versprechen durch Technik belegen statt durch Werbung. Assos gehört zu den wenigen Marken im Radsport, die beides liefern: eine Geschichte, die man nachprüfen kann, und Produkte, die auf der Strasse den Unterschied machen.