Es gibt Länder, die bringen Rennfahrer hervor. Und dann gibt es Kolumbien — ein Land, in dem Radsport nicht Hobby ist, sondern Identität. Nairo Quintana, Egan Bernal, Rigoberto Urán: Die Liste kolumbianischer Fahrer, die Grand Tours geprägt haben, ist lang. Was lange fehlte, war eine Bekleidungsmarke, die diesem Erbe gerecht wird. Carlos Suárez hat sie gebaut.
Vom Velodrom in die Werkstatt
Carlos Suárez war selbst Rennfahrer — BMX, Mountainbike, Bahn. Ab 1984 gehörte er zu den besten Pistenfahrern Kolumbiens. Er wusste, wie sich ein schlecht sitzendes Trikot bei 60 km/h auf der Bahn anfühlt — und wie Nähte im kolumbianischen Klima scheuern, wenn das Polster nach vier Stunden im Sattel längst durchgedrückt ist. Internationale Marken waren teuer und auf europäische Bedingungen zugeschnitten. Kolumbianische Alternativen existierten kaum.
Mitte der 1990er-Jahre machte Suárez Ernst. In einer kleinen Werkstatt in Medellín begann er, eigene Radbekleidung zu fertigen. Keine Investoren, kein Businessplan — ein Fahrer, eine Nähmaschine und die Überzeugung, dass Kolumbien seine eigene Radsportmarke verdient. Daraus wuchs ein Unternehmen mit über 200 Mitarbeitenden, das heute mehr als 750'000 Teile pro Jahr produziert. Carlos Suárez steht dem Unternehmen nach wie vor als Gründer und Präsident vor.
Medellín: Wo Höhenmeter zur Qualitätskontrolle gehören
Die Fabrik steht in Medellín, auf 1'500 Metern über Meer, umgeben von Anstiegen, die Profifahrer an ihre Grenzen bringen. Wer hier entwickelt, testet unter Realbedingungen: Hitze im Tal, Kälte auf 3'000 Metern, tropische Luftfeuchtigkeit zwölf Monate im Jahr.
Die Stoffe importiert Suarez teilweise aus Italien, kombiniert sie aber mit lokaler Fertigung. Alles wird im eigenen Haus geschnitten, genäht und kontrolliert — kein Outsourcing, keine Drittfertigung. Auch die Sitzpolster kommen aus dem eigenen Haus — entwickelt und produziert in Medellín. Während die meisten Marken ihre Polster bei Elastic Interface in Italien zukaufen, kontrolliert Suarez die gesamte Kette — vom Schaumstoff bis zur fertigen Trägerhose. Die Fabrik setzt auf energieeffiziente Prozesse und recycelt Produktionsabfälle — konkrete Zertifizierungen kommuniziert Suarez bisher nicht, aber die vertikale Integration reduziert Transportwege und Zwischenhändler.
Offizieller Partner des kolumbianischen Radsports
Seit über 16 Jahren stattet Suarez den kolumbianischen Radsportverband (Federación Colombiana de Ciclismo) offiziell aus. Das gelb-blau-rote Trikot, das kolumbianische Fahrer bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen tragen, kommt aus Medellín.
Die Partnerschaft geht über Logos auf Trikots hinaus. Nationaltrainer und Spitzenfahrer testen Suarez-Bekleidung unter Wettkampfbedingungen — auf der Bahn, auf der Strasse, im Zeitfahren. Was für die Nationalmannschaft funktioniert, fliesst in die Serienkollektion ein.
Bei den Olympischen Spielen trug die kolumbianische Delegation Suarez. Mariana Pajón — zweifache Olympiasiegerin im BMX (London 2012, Rio 2016) — fuhr in Suarez-Bekleidung zu Silber in Tokio 2020. Das gelb-blau-rote Trikot aus Medellín auf dem olympischen Podium — bessere Werbung kann man nicht kaufen.
Über Kolumbien hinaus: Lizenzen und Custom
Die Expansion begann 2019. Zum 100-jährigen Jubiläum des Maillot Jaune lancierte Suarez eine offizielle Tour-de-France-Kollektion unter Lizenz von A.S.O. — eine von wenigen Marken weltweit, die das dürfen. Die Kollektion umfasst Replika-Trikots aller vier Wertungstrikots der Tour, gefertigt in Medellín mit demselben Qualitätsanspruch wie die Rennbekleidung. Später kam eine lizenzierte Giro-d'Italia-Kollektion dazu. Für eine Marke aus Kolumbien, die offizielle Lizenzen für Tour de France und Giro d'Italia hält, ist das eine bemerkenswerte Position.
2022 wurde Suarez Titelsponsor der Gran Fondo National Series in den USA — der grössten Jedermann-Rennserie Nordamerikas. Damit steht die Marke nicht nur im Profisport, sondern auch in der Breitenradsport-Szene sichtbar da.
Dazu kommt ein Custom-Programm, das Teamkits ohne Mindestbestellmenge anbietet. Während europäische Anbieter oft 10, 20 oder 50 Stück als Minimum verlangen, fertigt Suarez ab einem einzelnen Teil. Für kleine Vereine, Firmenteams und Radsportgruppen, die ein professionelles Kit wollen, ohne hunderte Teile abnehmen zu müssen, ist das ein echtes Argument.
Das Sortiment: Fünf Linien, ein Anspruch
Suarez gliedert sein Sortiment in fünf Linien: Pro, Performance, Avant, Classic und Mountain Bike. Die Pro-Linie zielt auf Wettkampffahrer — aerodynamische Schnitte, kompressive Stoffe, die hauseigenen Sitzpolster in der höchsten Dichtestufe. Die Performance-Linie übernimmt die gleichen Stoffe und Polster, gibt aber im Schnitt mehr Spielraum für längere Tage im Sattel. Die Avant-Linie steigt bei rund 90 Dollar ein und richtet sich an Fahrer, die solide Verarbeitung wollen, ohne in die Profi-Kategorie zu investieren. Classic und Mountain Bike runden das Sortiment ab — erstere für den Alltagseinsatz, letztere mit robusteren Stoffen und lockererem Schnitt. Wetterschutz — packbare Jacken, leichte Windwesten — kommt aus der Entwicklung für kolumbianisches Bergwetter, wo sich Bedingungen innerhalb einer Abfahrt komplett ändern können.
Warum wir Suarez führen
Suarez ist keine europäische Marke, die kolumbianische Ästhetik als Marketingmotiv nutzt. Suarez ist Kolumbien — gegründet von einem kolumbianischen Fahrer, gefertigt in Medellín, getragen von der Nationalmannschaft. Ein Pro-Trikot kostet rund 130 Dollar, eine Trägerhose rund 125 — etwa die Hälfte dessen, was Assos oder Castelli für ihre oberen Linien verlangen. Die Stoffe kommen aus denselben italienischen Webereien, die Polster aus dem eigenen Haus.
Bei Kilometro führen wir Suarez, weil hier Herkunft und Produkt zusammenpassen. Wer Suarez trägt, trägt kolumbianische Radsportgeschichte — von der Werkstatt in Medellín bis auf die Pässe oberhalb der Stadt.