Es fing damit an, dass er nicht in Gelb fuhr.
Die 113. Tour de France startete am 4. Juli 2026 in Barcelona mit einem 19,7 Kilometer langen Mannschaftszeitfahren — dem ersten Auftakt dieser Art seit 1971. Der Parc del Fòrum war der Startpunkt, von wo aus die Strecke entlang der Küste zum Port Olímpic und dann quer durch die Stadt führte. Das Team Visma-Lease a Bike gewann. Jonas Vingegaard trug das erste Gelbe Trikot.
Zwei Tage lang blieb das so.
Katalonien, dann die Pyrenäen
Auf der zweiten Etappe von Tarragona zurück nach Barcelona, mit zwei Runden um den Montjuïc, gewann Isaac del Toro. Ein Mexikaner in Barcelona, und Vingegaard behielt Gelb.
Am 6. Juli ging es von Granollers nach Les Angles, hinauf in die Pyrenäen. Pogačar gewann die Etappe und übernahm die Führung. Er gab sie kurz wieder ab — auf den Etappen nach Foix und Pau fuhr Torstein Træen in Gelb, während Mads Pedersen und Olav Kooij die Tagessiege holten.
Am 9. Juli holte Pogačar sie deutlich zurück. Auf der Etappe von Pau nach Gavarnie-Gèdre attackierte er vier Kilometer vor der Passhöhe und absolvierte die letzten 40 Kilometer allein. Das Gelbe Trikot blieb anschliessend bis Paris bei ihm.
Die flache Mitte, und die erste Kürzung
Was folgte, war eine Tour, von der man selten erzählt: eine Woche für die Sprinter. Tim Merlier gewann in Bordeaux, dann in Bergerac, später noch in Chalon-sur-Saône — drei Etappen. Mathieu van der Poel setzte sich in Ussel durch. Søren Wærenskjold gewann in Nevers, Mauro Schmid in Belfort aus einem Zweiersprint.
Diese neunte Etappe nach Ussel war die erste, die die Organisation kürzen musste. Für das Département Corrèze galt eine rote Hitzewarnung. Die Strecke schrumpfte von 185,5 auf rund 155 Kilometer, Start- und Zielort blieben jedoch unverändert.
Dazwischen schlug Pogačar zweimal zu. Am 14. Juli in Le Lioran, sein dritter Etappensieg. Am 18. Juli in Le Markstein, sein vierter.
Evenepoel kämpft
Wer die Tour 2026 auf eine Machtdemonstration reduziert, übersieht Remco Evenepoel. Der Belgier gewann zwei Etappen hintereinander: zunächst am Plateau de Solaison und anschliessend das Einzelzeitfahren nach Thonon-les-Bains über 26,1 Kilometer. Für Evenepoel war es der dritte Zeitfahrsieg bei einer Tour.
Pogačar wurde dort Zweiter mit einem Rückstand von 28 Sekunden. Sein Gesamtvorsprung schrumpfte auf viereinhalb Minuten. Auf derselben Etappe stürzte Florian Lipowitz in der Abfahrt, brach sich das Schlüsselbein und schied aus.
Die Alpen
In der dritten Woche fiel die Entscheidung, und Pogačar holte seinen fünften Etappensieg. Jasper Philipsen gewann die Etappe ab Chambéry, Richard Carapaz die darauffolgende.
Die zwanzigste Etappe war als Königsetappe angelegt: Es gab vier Anstiege, davon drei ausser Kategorie. Sepp Kuss führte lange aus einer Fluchtgruppe heraus, stürzte dann aber zweimal auf den letzten acht Kilometern. Carapaz erbte die Spitze, gewann die Etappe und baute seine Führung in der Bergwertung aus.
Bemerkenswert an diesem Tag war, was der Gesamtführende tat: Pogačar arbeitete als Helfer für Isaac del Toro. Er half seinem Teamkollegen dabei, Platz drei und das weisse Trikot abzusichern. Wer fünf Toursiege hat, muss nichts mehr beweisen.
Paris, verkürzt
Die Schlussetappe am 26. Juli war kürzer als geplant. In der Gironde brannten Wälder, weshalb die Sicherheitskräfte dorthin statt an die Strecke verlegt wurden. Der Ablauf blieb halb erhalten: Die Vorbereitungen fanden wie geplant in Thoiry statt, anschliessend fuhr das Feld mit dem Bus nach Paris. Der Start erfolgte auf den Champs-Élysées.
Aus 132,5 Kilometern wurden knapp 89. Zwei zusätzliche Runden auf dem Champs-Élysées-Kurs kamen dazu, dann die drei Runden mit dem Anstieg nach Montmartre.
Gewonnen hat sie Mathieu van der Poel. Pogačar rollte dahinter ins Ziel und hatte, was er wollte.
Was der fünfte Sieg bedeutet
Fünf Toursiege haben vor ihm vier Fahrer geschafft: Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain. Pogačar ist mit 27 Jahren der jüngste in dieser Reihe. Es war sein dritter Sieg in Folge.
Hinter ihm lag Evenepoel 6:26 Minuten zurück, del Toro 9:42. Vierter wurde Paul Seixas mit 11:56 — derselbe Seixas, der im März bei den Strade Bianche Zweiter hinter Pogačar geworden war. Pedersen gewann die Punktewertung, Carapaz die Bergwertung, del Toro die Nachwuchswertung.
Gefahren wurden am Ende 3'245 Kilometer. Zwei Etappen kürzer als geplant, beide wegen Hitze und Feuer.
Die Ausrüstung
Für einen Shop ist der interessante Teil das, was drei Wochen lang funktionieren musste.
Auf der Haut trug Pogačar die Magistrale-Teile von Pissei aus Pistoia, darunter einen Hybrid-Body, den das Custom Lab exklusiv für UAE Team Emirates XRG gebaut hat. Auf dem Kopf sass je nach Etappe der MET Trenta 3K Carbon oder der Manta. An den Füssen: DMT. Am 4. Juli, dem Tag des Tour-Starts, hatte er dort einen Vertrag auf Lebenszeit unterschrieben.
Und im Trinkbecher steckte etwas Neues. Enervit und das Team hatten zwei Jahre an einer Mischung mit Laktat gearbeitet. An dieser Tour kam sie zum Einsatz.
All das gewinnt keine Tour. Aber bei einer Strecke von über 3'245 Kilometern ist auch entscheidend, was nicht scheuert, nicht drückt und nicht im Magen liegt.